BornDigital-Workshop: Imaginaries of The Future

07./08.05.2026

Workshop Report: "Imaginaries of the Future"

Der Workshop „Imaginaries of the Future“ fand im Rahmen des BWSplus-Projekts „Born Digital“ am 7. und 8. Mai 2026 an der Universität Stuttgart statt. Das Hauptthema des Workshops „Imaginaries of the Future“ lenkte die Aufmerksamkeit auf die Vielzahl von Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, wie in etwa Klimawandel, demokratische Instabilität, soziale Ungerechtigkeit, technologische Oligarchien und die allgegenwärtige und rasante Ausbreitung künstlicher Intelligenz in der Gesellschaft, sowie darauf, wie sich diese in digitalen Erzählungen widerspiegeln. Der zweitägige Workshop bot Studierenden und Nachwuchswissenschaftler*innen die Gelegenheit, ihre Ideen und laufenden Forschungsarbeiten in 15-minütigen Präsentationen vorzustellen, an die sich Podiumsdiskussionen anschlossen. Der Workshop zog viele interessierte Besucher*innen an. Studierende der Universität Bergen, der Universität Stuttgart sowie Gaststudierende der Nationalen Technischen Universität Donezk nahmen an den Vorträgen teil und beteiligten sich an den Diskussionen.

Prof. Dr. Sibylle Baumbach eröffnete die Veranstaltung offiziell, indem sie das Motto des Workshops, das Projekt „Born Digital“, sowie das „Living Glossary of Digital Narrative“ vorstellte.

Auf ihren Vortrag folgte die Keynote von Prof. Dr. Astrid Ensslin (Universität Regensburg) mit dem Titel „‚I was the person who wasn't there’: Ambispatial Orientation and Scalable Empathy in Emersive VR Fiction “. In ihrem Vortrag gab sie Einblicke in ihre Forschung zu immersiver/e-mersiver Virtual-Reality-Erzählung und kognitiver empirischer Leser-Reaktionsforschung im Zusammenhang mit Empathie- und Aufmerksamkeitsforschung. Sie führte verschiedene Beispiele aus dem Bereich Gaming an und zeigte, wie wir „Abwesenheit in der Anwesenheit“ erleben können.

Auf ihren Hauptvortrag folgte die erste Podiumsdiskussion zum Thema „Digital Narrative and the (Re)-Shaping of Human Perception“, moderiert von der Doktorandin Hannah Armour (Universität Stuttgart). In ihrem Vortrag „Beyond the Portal: Attention, Power, and Ethical Relation in Patricia Lockwood’s No One Is Talking About This“ diskutierte Khadija Nasirova (Universität Stuttgart) den Roman im Hinblick auf soziale Medien und die Implikationen der Online-Präsenz. Die zweite Diskussionsteilnehmerin, die Doktorandin Tegan Pyke (Universität Bergen), stellte in ihrem Vortrag „Character as Constraint: Narrativity on the Micro Scale in Online Forum Replaying“ ihr neues Projekt zu einer spezifischen Form des Online-Rollenspiels vor. Abgerundet wurde das Panel durch Odin Berle Arntzen (Universität Bergen) mit seinem Vortrag „Buying Time. Techno Biological Inequality in Near Future Digital Imaginaries“, in dem er das Action-Rollenspiel „Cyberpunk 77“ und dessen Zukunftsvision näher beleuchtete, in der soziale Ungleichheit zu einer Frage biologischer, ökologischer und zeitlicher Faktoren wird.

Am Nachmittag begann das zweite Panel mit dem Titel „Redefining Authorship, Literature and Creativity in the Digital Age“ unter der Moderation des Doktoranden Jan Angermeier (Universität Stuttgart) mit dem Vortrag von Nadja Hieber (Universität Stuttgart) zum Thema „Future Vision: Returning AI’s Technological Gaze“. Sie schlug eine neue Definition des „technological gaze“ vor und erörterte, wie dieser genutzt werden kann, um menschliche Autor*innen und Texte zu stärken. Auf ihren Vortrag folgte der Beitrag von Laiba Iftikhar (Universität Stuttgart) mit dem Titel „What remains Literary: Twitterature, Generative AI, and the Political Stakes of Human Authorship and Voice“, in dem sie sich eine kreativ begrenzte Zukunft vorstellte, in der Menschen aufgehört haben zu schreiben und KI es nicht schafft, neue literarische Formen zu generieren. Den Abschluss des Panels bildete der Vortrag von Devrim Pinar (Universität Stuttgart) mit dem Titel „Imaginaries of Authorship: Assessment, AI, and the Narrative of Learning in Digital Culture“, in dem er sein laufendes eTwinning-Forschungsprojekt zu neuen Bewertungsmethoden im Zeitalter der KI vorstellte. Sein Vortrag konzentrierte sich darauf, wie KI das Lernen neu definiert und wie die Suche nach neuen Wegen der Zusammenarbeit mit KI unverzichtbar wird.

Die letzte Podiumsdiskussion zum Thema „Digital Control and Political Resistance in Dystopian Narratives“, moderiert von Dr. Geoff Rodoreda (Universität Stuttgart), begann mit Max Schmid (Universität Stuttgart) und seinem Vortrag „‚We’ve Become One with the Sound:’ Dystopias of Noise and a Rehabilitation of Silence“. Er argumentierte, dass die Parameter von Klang und Lärm ein entscheidender Aspekt in der dystopischen Literatur seien, und stützte sich dabei auf verschiedene Fallstudien, von Ali Smiths Gliff bis hin zu Songtexten. Memoona Bukhari (Universität Stuttgart) näherte sich Gliff in ihrem Vortrag „Ali Smith’s Future Imaginaries: Resisting Unwanted Futures of Weaponized Data and Surveillance“ aus einem anderen Blickwinkel. Sie konzentrierte sich auf Big-Data-Überwachungsinfrastrukturen und darauf, wie die Figuren des Romans diesen möglicherweise entkommen könnten. Buse Gürsel (Universität Bergen) schloss das Panel mit der Vorstellung ihres selbst entwickelten Stadtsimulators als Mittel zur Aufklärung über Stadtentwicklung in ihrem Vortrag mit dem Titel „Urban Governance Simulator and the Legibility of Urban Form“.

Alle Podiumsdiskussionen lösten lebhafte Debatten aus und lieferten hilfreiche Rückmeldungen zu den vorgestellten aktuellen und zukünftigen Forschungsprojekten.

Der erste Workshop-Tag endete mit der Preisverleihung des „Born Digital Microfiction Contest“ und einer Rede von Dr. Curtis Runstedler (Universität Stuttgart), der Mitglied der Jury war. Zu den weiteren Jurymitgliedern gehörten Dr. Christine Lehnen (Universität Hamburg), Prof. Dr. David Thomas Henry Wright (Universität Bergen) und Prof. Dr. Joseph Tabbi (Universität Bergen). Dank der engagierten Arbeit der Jury konnten drei Gewinner ermittelt und im Rahmen der Zeremonie ausgezeichnet werden: Hülya Talu (erster Platz), Max Schmid (zweiter Platz) und Seyma Aydogdu (dritter Platz) wurden zu ihren herausragenden Geschichten beglückwünscht. Sie lasen ihre Texte vor und erzählten, was sie zu ihren Werken inspiriert hatte. 

Der zweite Tag des Workshops stand ganz im Zeichen des „Living Glossary of Digital Narrative“ (LGDN). Er begann mit einer Einführung und einem Peer-Review-Workshop unter der Leitung von Dr. Marie Geraldine Rademacher (Universität Stuttgart), in dem die Teilnehmenden lernten, wie man eingereichte Einträge begutachtet. Im Rahmen des Peer-Review-Workshops prüften vier Gruppen jeweils einen Eintrag für das LGDN und verfassten Peer-Review-Texte. Der letzte Teil des Workshops war der Erstellung eines Glossareintrags gewidmet, eine Sitzung unter der Leitung von Dr. Hannah Ackermans (Universität Bergen) und Azza Sakr (Universität Bergen). Dies bot Nachwuchswissenschaftler*innen eine hervorragende Gelegenheit, einen Beitrag zum Glossar zu leisten und möglicherweise einen Eintrag zu veröffentlichen.

Die beiden Workshop-Tage hinterließen bei den Teilnehmern viele neue Ideen, Kontakte und Rückmeldungen zu ihren laufenden Arbeiten.

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