Vortrag von Dr. Anselm Küsters auf der Konferenz

Anselm Küsters zur Resilienz und Zukunft des Multilateralismus (Princeton University)

October 22, 2025 / Antonia Friedrich

Was haben neue digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz mit der Zukunft des Multilateralismus zu tun?

[Picture: Anselm Küsters]

Am 17.-18. Oktober 2025 fand an der Princeton University, USA, die dritte Jahreskonferenz des Ludwig-Erhard-Forums statt, die sich mit dem Thema „The Geoeconomic Resilience of Multilateralism: Power for Some or Prosperity for All?“ beschäftigte. Auf der internationalen Konferenz diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die Zukunft der regelbasierten Weltordnung und mögliche Wege zu einem widerstandsfähigeren Multilateralismus.

Dr. Anselm Küsters, Vertretungsprofessor für Digital Humanities an der Universität Stuttgart und Leiter des Bereichs Digitalisierung am Centrum für Europäische Politik (CEP), beteiligte sich an der Sektion zu „Financial Markets and Technologies“. In seinem Vortrag mit dem Titel „Splinternet 2.0: Why AI Accelerates Multilateralism’s Crisis“ ging es darum, wie sich die globale Fragmentierung von Künstlicher Intelligenz zunehmend zu einem geopolitischen Faktor entwickelt. Zwar bleibt die Infrastruktur des Internets weitgehend vernetzt, doch auf der Ebene der KI-Systeme entsteht eine wachsende Fragmentierung. Diese kann beeinflussen, wie wir auf Informationen zugreifen, Entscheidungen treffen und mit der digitalen Wirtschaft interagieren. Kurzum: KI-„Stacks“ werden zunehmend politisch kontrolliert und beeinflusst. Dies hat negative Konsequenzen für den Multilateralismus, da dieser ein Mindestmaß an Vertrauen und einen gemeinsamen Informationsraum voraussetzt.

Wie kann vor diesem Hintergrund eine vertrauenswürdige KI aufgebaut und eine weitere Fragmentierung verhindert werden? Anselm Küsters stellte in seinem Vortrag abschließend Prinzipien vor, die mehr Resilienz schaffen könnten: Es benötigt Interoperabilität, vor allem offene Standards für Datenaustausch und KI-Agent-Interaktionen sowie klare Prüfpfade. Mehr Transparenz bei algorithmischen Entscheidungen und die Offenlegung von Trainingsdaten und Architekturentscheidung sind ebenfalls essenziell. Zusätzlich sollten stärkere Kontrollen kritischer KI-Systeme in Bereichen wie Finanzen, Gesundheitswesen oder Infrastruktur erfolgen und eine krisenadaptive, flexible Governance aufgebaut werden, gerade auf europäischer und globaler Ebene. Schließlich muss jedes KI-System, das politische Informationen vermittelt und beeinflusst, demokratisch legitimiert sein.

Die Konferenz machte klar: Die Digital Humanities können eine tragende Rolle bei der kritischen Analyse digitaler Transformationsprozesse einnehmen. Gerade durch die Verbindung von technischer Kompetenz und gesellschaftswissenschaftlicher Reflexion lässt sich aufzeigen, wie die wachsende KI-Fragmentierung die Grundlagen wissenschaftlicher Zusammenarbeit gefährdet – von unterschiedlichen Textanalyse-Standards bis zu inkompatiblen Forschungsdaten. Auch in Zukunft wird sich der DH-Lehrstuhl der Universität Stuttgart dafür einsetzen, dass geisteswissenschaftliche Perspektiven in technologiepolitischen Diskussionen Gehör finden.

Vortrag von Dr. Anselm Küsters auf der Konferenz
Vortrag von Dr. Anselm Küsters auf der Jahreskonferenz des Ludwig-Erhard-Forums
Programm der dritten Jahreskonferenz des Ludwig-Erhard-Forums an der Princeton University
Programm der dritten Jahreskonferenz des Ludwig-Erhard-Forums
Gruppenfoto der Konferenzteilnehmer
Gruppenfoto der Konferenzteilnehmer
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