Herr Prof. Dr.

Horst Thomé


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Stuttgart
Deutschland

Wir trauern um
Prof. Dr. Horst Thomé
(† 3. März 2012)


Seit dem Jahr 1994 bis zu seiner bevorstehenden Emeritierung hatte Professor Thomé den Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literatur II am Institut für Literaturwissenschaft inne. In den Jahren 2003 bis 2006 engagierte er sich als Prorektor für Lehre und Weiterbildung an der Universität.
Die Neuere deutsche Literaturwissenschaft verdankt Professor Thomé grundlegende Forschungen zum Verhältnis von Literatur und Psychologie, zum Roman des 18. Jahrhunderts und zur Weltanschauungslehre des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Als Vorstand der Paul-Ernst-Gesellschaft pflegte Professor Thomé auch die vergessenen Autoren seiner Disziplin. In den letzten Jahren gehörte Professor Thomés besondere Leidenschaft der Tragödie und ihrer Theorie. Professor Thomé war als Fachgutachter für die Deutsche Forschungsgemeinschaft und andere Wissenschaftsförderorganisationen tätig. Mit der Gründung der Zeitschrift „Scientia Poetica“ wirkte er an der Etablierung des Forschungsgebiets ‚Literatur und Wissen‘ mit. Im Rahmen seiner Tätigkeit für die deutsch-chinesische Zeitschrift „Literaturstraße“ führte er die Literaturwissenschaften beider Länder mit großem Engagement zusammen und hatte Forschungsprofessuren an der Tongji University (Shanghai) sowie der Renmin University of China (Peking) inne. Als Gründungsmitglied und akademischer Lehrer der Internationalen Marbacher Sommerschule hat Professor Thomé mit jungen Literaturwissenschaftlern aus aller Welt zusammengearbeitet.
Mit Professor Thomé verliert die Neuere deutsche Literatur an der Universität Stuttgart eine außergewöhnliche Wissenschaftlerpersönlichkeit, einen so gründlichen wie fürsorglichen Lehrer und anregenden Kollegen. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.


Die Mitglieder der Abteilungen Neuere deutsche Literatur I und II

 

  • Deutsche Literatur von 1750-1950
  • Literatur- und Wissensgeschichte
  • Gattungstheorie
  • Sozialgeschichte der Literatur
  • Interkulturelle Germanistik

 

  • Geboren 1947
  • 1974 Promotion (Universität München)
  • 1987 Habilitation (Universität Kiel)
  • seit 1993 Ordentlicher Professor und Leiter der Abteilung Neuere deutsche Literatur II an der Universität Stuttgart Gastprofessuren in Wien, Shanghai (Tongji University) und Beijing (Renmin University of China)
  • 1. Oktober 2003 – 30. September 2006 Prorektor für Lehre und Weiterbildung der Universität Stuttgart.

I. Bücher

  • Roman und Naturwissenschaft. Eine Studie zur Vorgeschichte der deutschen Klassik. 1978.
  • Natur und Geschichte im Frühwerk Arno Schmidts. 1981.
  • Arthur Schnitzler, Medizinische Schriften. 1988. (Hg.)
  • Autonomes Ich und "Inneres Ausland". Studien über Realismus, Tiefenpsychologie und Psychiatrie in deutschen Erzähltexten (1848-1914). 1993.
  • Wieland. Epoche, Werk, Wirkung. 1994. (Mitautor)
  • Scientia Poetica. Jb. f. Geschichte der Literatur und der Wissenschaften. 1997ff. (Mhg.) (www.degruyter.de/rs/274_7619_DEU_h.htm)
  • Literaturstraße. Chinesisch-deutsches Jahrbuch für Sprache, Literatur und Kultur. 2001ff. (Mhg.)
  • Paul Ernst. Außenseiter und Zeitgenosse. 2002. (Hg.)
  • „Wenn Freunde aus der Ferne kommen“. Eine west-östliche Freundschaftsgabe für Zhang Yushu zum 70. Geburtstag. 2005 (Mhg.)

II. Aufsätze (Auswahl)

  • Menschliche Natur und Allegorie sozialer Verhältnisse. Zur politischen Funktion philosophischer Konzeptionen in Wielands Geschichte des Agathon. In: Jb. d. dt. Schillergesellschaft 1978, S. 205-234.
  • Probleme und Tendenzen der Wieland-Forschung 1974-1978. In: Jb. d. dt. Schillergesellschaft 1979, S. 492-513.
  • Wissenschaft und Spekulation in Arno Schmidts "Leviathan". In: Gebirgslandschaft mit Arno Schmidt. Grazer Symposion 1980. Hg. v. Jörg Drews, S. 9-22. 1982.
  • Goethe-Stilisierung bei Sigmund Freud. In: Klassik und Moderne. Hg. v. K. Richter, J. Schönert, S. 340-355. 1983.
  • Tätigkeit und Reflexion in Goethes Prometheus. Umrisse einer Interpretation. In: Gedichte und Interpretationen. Bd. 2.: Aufklärung und Sturm und Drang. Hg. v. Karl Richter. S. 427-435. 1983.
  • Utopische Diskurse. Thesen zu Wielands "Aristipp und einige seiner Zeitgenossen". In: MLN 1984, S. 503-521
  • Kernlosigkeit und Pose. Zur Rekonstruktion von Schnitzlers Psychologie. In: Fin de siècle. Hg. v. K. Bohnen u. a., S. 62-87.1984.
  • Funktionen erzählter Erotik. Zu Sacher-Masochs "Diderot in Petersburg". In: Leopold von Sacher-Masoch, Diderot in Petersburg. Hg. v. Dieter Bandhauer mit Essays von Hans Hinterhäuser, Horst Thomé und Walter Vogl. S. 67-86. 1987.
  • Vorwort. Arthur Schnitzlers Anfänge und die Grundlagenkrise der Medizin. In: Arthur Schnitzler, Medizinische Schriften. Hg. v. Horst Thomé, S. 11-59. 1988.
  • Sozialgeschichtliche Perspektiven der neueren Schnitzler-Forschung. In: IASL 1988, S. 158-187. 
  • Religion und Aufklärung in Wielands Agathodämon. Zu Problemen der 'kulturellen Semantik' um 1800. In: IASL 1990, S. 93-122.
  • Arthur Schnitzlers Tagebuch. Thesen und Forschungsperspektiven. In: IASL 1993, S. 176-193.
  • Der Krieg und die Sprache. In: "So ist der Mensch...". 80 Jahre Erster Weltkrieg. 1995.
  • Sonderausstellung Historisches Museum der Stadt Wien. Hg. v. Günter Düriegel, S. 42-56. 1994.
  • Tragödienästhetik als Zeitkritik. Zu Friedrich Nietzsches Die Geburt der Tragödie und Paul Ernsts Tragödientheorie. In: Der Wille zur Form 1 (1995), S. 3-37.
  • Das Ich und seine Tat. Überlegungen zum Verhältnis von Psychologie, Ästhetik und Gesellschaft im Drama der Jahrhundertwende. In: Die Literatur und die Wissenschaften 1770-1930. Hg. v. K. Richter, S. 323-354. 1997.
  • Aporien der 'modernen Tragödie'. Zur Hebbel-Rezeption der Neuklassik. In: Hebbel-Jb. 52 (1997), S. 121-150.
  • Römertragödien des 19. Jahrhunderts. Ein vorläufiger Bericht. In: Konflikt. Grenze. Dialog. Kulturkontrastive und interdisziplinäre Textzugänge. Hg. v. Jürgen Lehmann u. a., S. 157-172, Frankfurt a. M. 1997.
  • Zu Paul Ernsts "Die Anfänge des modernen Dramas in Deutschland". In: Der Wille zur Form. Zeitschrift der Paul-Ernst-Gesellschaft 3 (1997), S. 85-92.
  • Platen und das Epos. In: August Graf v. Platen. Leben, Werk, Wirkung. Hg. v. H. Bobzin, G., S. 63-83. Och. 1998.
  • Freud als Erzähler. Zu literarischen Elementen im Bruchstück einer Hysterie-Analyse. In: Darstellungsformen der Wissenschaften im Kontrast. Hg. v. L. Danneberg, J. Niederhauser, S. 471-492. 1998.
  • Arthur Schnitzlers "Reigen" und die Sexualanthropologie der Jahrhundertwende. In: Arthur Schnitzler. Text + Kritik 138/139. 1998, S. 102-113.
  • Der schwäbische Ikarus. Zur Psychologie des Erfinders in Max Eyths "Der Schneider von Ulm". In: Modernisierung und Literatur. FS f. Hans Ulrich Seeber zum 60. Geburtstag. Hg. v. W. Göbel u.a., S. 49-160. 2000.
  • Klassik 1. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hg. v. H. Fricke. Bd. 2, Sp. 266-270, 2000.
  • Klassizismus. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hg. v. H. Fricke. Bd. 2, Sp. 270-274. 2000.
  • Modernität und Bewußtseinswandel in der Zeit des Naturalismus und des Fin de siècle. In: Naturalismus, Fin de siècle, Expressionismus. Hg. v. York-Gothart Mix., S. 15-27. 2000.
  • Novelle. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (zus. mit W. Wehle). Hg. v. H. Fricke. Bd. 2, Sp. 725-731. 2000.
  • Metaphorische Konstruktion der Seele. Zu Herbarts Psychologie und ihrer Nachwirkung. In: Herbarts Kultursystem. Perspektiven der Transdisziplinarität im 19. Jahrhundert. Hg. v. A. Hoeschen, L. Schneider, S. 69-81. 2001.
  • Stefan Zweigs Psychologischer Realismus. Zu "Ungeduld des Herzens". In: Literaturstraße. Chinesisch-deutsches Jahrbuch für Sprache, Literatur und Kultur 2 (2001), S. 83-103. 
  • Ariadne bei Paul Ernst und Hugo von Hofmannsthal. Konzepte der Metatragik nach 1900. In: Paul Ernst. Außenseiter und Zeitgenosse. Hg. v. H. Thomé, S. 37-60. 2002.
  • Platens Venedig-Sonette im Hinblick auf die Römischen Elegien Goethes. Überlegungen zum historischen Ort des „Biedermeier-Ästhetizismus“. In: Zwischen Goethezeit und Realismus. Wandel und Spezifik in der Phase des Biedermeier. Hg. v. M. Titzmann, S. 11-38. 2002.
  • Geschichtsspekulation als Weltanschauungsliteratur. Zu Oswald Spenglers Der Untergang des Abendlandes. In: Literatur und Wissen(schaften) 1890-1935. Hg. v. M. Titzmann, C. Maillard, S. 193-212. 2002.
  • Weltanschauungsliteratur. Vorüberlegungen zu Funktion und Texttyp. In: Wissen in Literatur im 19. Jahrhundert. Hg. v. L. Danneberg, F. Vollhardt, S. 338-380. 2002.
  • Der Blick auf das Ganze. Zum Ursprung des Konzepts „Weltanschauung“ und der Weltanschauungsliteratur. In: Aufklärungen: Zur Literaturgeschichte der Moderne. Hg. v. Werner Frick u. a., S. 387-401. 2003.
  • Typologie 2. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 3. Hg. v. Jan-Dirk Müller, S. 709-712. 2003.
  • Werk. In: Reallexikon. Ebd., S. 832-834.
  • Wissenschaftsgeschichte 1. In: Reallexikon. Ebd., S. 855-857.
  • Wege und Sonderwege der deutschen Literatur seit der Goethezeit. In: Literaturstraße 5 (2004), S. 41 – 56.
  • Weltanschauung. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, 12. Bd., 2004, Sp. 453-460. Weltbild. In: Ebd., Sp. 460-463.
  • Chinesische und deutsche Germanistik im Dialog. Anmerkungen anläßlich eines bilateralen literarturwissenschaftlichen Symposiums. In: Literaturstraße 8. 2007, S.279 - 286
  • "Da Operettenfiguren die Tragödie der Menschheit spielten". Zu Karl Kraus` Die letzen Tage der Menschheit". In: Figurationen der literarischen Moderne. Hg. v. Carsten Dutt und Roman Luckscheiter. Heidelberg 2007, S. 395 - 412.