Digital Humanities in Aktion

Forschung

Diese Seite bietet eine exemplarische Auswahl von Projekten, an denen Mitarbeiter/innen und Studierende an der Abteilung Digital Humanities zurzeit arbeiten.

Vielfalt auf thematischer und methodischer Ebene

Die Projekte der Abteilung Digital Humanities decken ein breites Themenspektrum ab: Von Editorik über stilometrischen, narratologischen und sprachwissenschaftlichen bis hin zu sozialwissenschaftlichen Fragestellungen.

Eine solche Domänen- und Datenvielfalt erfordert auch unterschiedliche Herangehensweisen. Daher zeichnen sich die Projekte unserer Mitarbeiter wie auch diejenigen der Studierendengruppen aus den Projektseminaren durch stark unterschiedliche Methoden aus. Textstatistische Methoden für die Stil- und Themenanalyse finden dabei ebenso Gebrauch wie Datenbankmodellierung und Simulation.

Projekte

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Mitarbeiter: Gabriel Viehhauser, Andreas Pairamidis, Florian Barth

Das Projekt befasst sich mit der digitalen Modellierung von Raumkonstruktionen in Erzähltexten. Die Kategorie des Raums ist in der Narratologie bislang noch wenig beachtet worden, obwohl der Schauplatz einer Erzählung ein ähnlich zentrales Element wie etwa die Figuren oder die Handlung darstellt. Insbesondere im Ansatz der Raumsemantik von Jurij Lotman wird deutlich, dass Räume oft auch eine Eigenbedeutung haben, so ist z.B. der Wald oft die Sphäre der Ungeheuer und Feen und steht im Gegensatz zu Stadt, Burg oder der Zivilisation. Die Grenze zwischen diesen Räumen kann meist nur der Held überschreiten; so wird deutlich, wie in Lotmans Ansatz Figuren, Ereignis und Handlung zusammengehören.

 

Eine digitale Modellierung dieser Raumsemantik stellt einerseits eine methodische Herausforderung dar, da Räume in Erzählungen zu einem großen Maß auch implizit erzeugt werden und schwer für den Computer zu erfassen sind. Andererseits kann gerade die Notwendigkeit der Präzisierung der Modelle, die der Computer mit sich bringt, einen narratologischen Erkenntnisgewinn bringen. Momentan arbeiten wir insbesondere an Netzwerkanalysen zu verschiedenen Texten, vor allem aber zu Ovids Metamorphosen, um das Beziehungsgeflecht von Raum, Figuren und Ereignissen deutlich zu machen und mit Hilfe des Computers explorativ zu visualisieren.

 

Mitarbeiter: Malte Heckelen

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich einerseits mit Polarisierung als Massenphänomen und andererseits mit kognitiven Annahmen aus der Überzeugungsforschung. Menschen benutzen mentale Heuristiken, um zum Beispiel die Komplexität eines Themas herunterzubrechen und bei Bedarf (oder niedrigem Interesse) schnell ein Urteil fällen zu können. Derartige Phänomene werden über verschiedene Wege mit individueller Polarisierung, im Mindesten aber mit sozialem Einfluss und Überzeugung in Verbindung gesetzt. Das Erkenntnisinteresse des Projekts ist es, den Weg von der individuellen Polarisierung hin zum Massenphänomen über empirische Analyse und Simulation nachzuzeichnen.

Die Untersuchung mentaler Heuristiken und von Überzeugung findet im sozialpsychologischen und politikwissenschaftlichen Bereich primär in Kleingruppen -oder Individualexperimenten statt. Effekte sind zwar systematisch erkennbar, aber die Stärke und teilweise die Richtung dieser variiert. Hierfür können einerseits die notwendigerweise kleiner angelegten Studien und interagierende Faktoren verantwortlich sein. Andererseits ist Kommunikation wie andere soziale Phänomene auch sozialen Normen unterworfen. Die lokalen kommunikativen Verhaltensweisen von Bezugsgruppen wirken sich möglicherweise darauf aus, welche kommunikativen Verhaltensweisen ein Individuum als valide und dementsprechend eher überzeugend empfindet. In manchen Bezugsgruppen könnten gegenüber anderen Bezugsgruppen so etwa Argumente von Mitgliedern derselben Gruppe eher überzeugend gefunden werden, als wissenschaftliche Argumentation von Fremden. Andere Gruppen lassen sich demgegenüber möglicherweise und je nach Thema ausschließlich von wissenschaftlicher Beweisführung überzeugen.

Um dies zu untersuchen, wird ein soziologisch orientiertes, aber auf der Heuristics & Bias - Forschung aufgebautes Handlungsmodell beschrieben, in dem sich Individuen der normativen Umgebung bewusst sind und sich dementsprechend kommunikativ verhalten oder abweichen können. Mit diesem Modell als theoretischem Unterbau werden Daten untersucht, die über einen längeren Zeitraum über die Entwicklung von Themen in verschiedenen Twitter-Communities gesammelt werden. Darüber hinaus werden die Massen-Implikationen des eher auf Individuen bezogenen theoretischen Handlungsmodells in einem agentenbasierten Modell untersucht.

Kontakt

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M.A.

Malte Heckelen

Verantwortlicher Website / Wiss. Mitarbeiter Abt. Digital Humanities

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Prof. Dr.

Gabriel Viehhauser

Geschäftsführender Direktor ILW / Abteilungsleiter Digital Humanities